Erweiterung des Messwertkatasters "Kniebelastungen" (GonKatast)

Projekt-Nr. IFA 4230

Status:

abgeschlossen 09/2021

Zielsetzung:

Am 11. Juni 2009 wurde in Deutschland die Berufskrankheit (BK) "Gonarthrose durch eine Tätigkeit im Knien oder vergleichbare Kniebelastung mit einer kumulativen Einwirkungsdauer während des Arbeitslebens von mindestens 13 000 Stunden und einer Mindesteinwirkungsdauer von mindestens einer Stunde pro Schicht" in die Berufskrankheitenliste aufgenommen.

In der wissenschaftlichen Begründung werden zwei wesentliche Merkmale zur Beurteilung der arbeitstechnischen Voraussetzungen genannt: der Kniewinkel bei kniebelastenden Tätigkeiten und die Zeitanteile solcher Tätigkeiten pro Arbeitsschicht. Da damals über beide Faktoren kaum hinreichend gesicherte Erkenntnisse vorlagen, wurde im Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) in Zusammenarbeit mit mehreren Unfallversicherungsträgern (UVT) ein Messwertkataster mithilfe des CUELA-Messsystems aufgebaut (Projekt 4138 GonKatast).

Ziel dieses Katasters war es, valide Daten zur Quantifizierung der relevanten Kniebelastungen innerhalb verschiedener Berufsgruppen zu erhalten und Grundlagen für Präventionsmaßnahmen sowie für arbeitstechnische Ermittlungen im Rahmen von BK-Feststellungsverfahren zu schaffen. Inzwischen wird die Anamnese-Software "Kniegelenkserkrankungen" mit den hinterlegten Katasterdaten von vielen UVT genutzt, belegt u. a. auch durch die starke Nachfrage nach Software-Schulungen im IFA. In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass neben den 17 in der wissenschaftlichen Begründung genannten Berufen mit kniebelastenden Tätigkeiten und den im Kataster aufgeführten Tätigkeitsmodulen verschiedene andere Berufe und Tätigkeiten bei BK-Verdachtsanzeigen ebenfalls häufiger vorkommen. Aus diesem Grund soll das Messwert-Kataster kniebelastender Tätigkeiten um weitere Berufe und Tätigkeitsmodule erweitert werden.

Aktivitäten/Methoden:

Unter Leitung des IFA wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern verschiedener interessierter UVT gebildet. Diese benannten, aufgrund der in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen im Bereich der BK-Verdachtsanzeigen, jeweils die für sie relevanten Berufe und Tätigkeiten. Vorläufig geplant sind Messungen von Tätigkeiten der Berufe Maurer, Trockenbauer, Rohrleger/Kanalbauer, Steinmetz, Gebäudereiniger, Feuerungsmaurer/Ofenmaurer (BG BAU); Kraftfahrzeugmechatroniker/innen für Personenkraftwagentechnik, Land- und Baumaschinen und Nutzfahrzeugen (BGHM); Heizungs-/Kundendienst-Monteur, Küchenmonteur, Möbelmonteur (BGHW); Elektroinstallateur (BG ETEM) und Gartenbauer, Gärtner, Friedhofsgärtner (SVLFG). Zusätzlich von Interesse sind die Tätigkeiten von Erzieherinnen/Erziehern. Die UVT stellen den Kontakt zu am Projekt interessierten Betrieben und Probanden her. Die Messung der Arbeitsschichten und Tätigkeiten übernehmen Messteams der Unfallversicherungsträger, die im Umgang und mit der Bedienung des CUELA-Messsystems im IFA geschult werden. Die Messdaten werden durch Erhebungen mit Fragebögen ergänzt. Wegen der erwarteten Streuung der Messdaten sollen je zu erstellendem Tätigkeitsmodul mindestens drei Messungen durchgeführt werden. Alle Messdaten werden im IFA in einer Datenbank gesammelt, ausgewertet und in Katasterform aufbereitet, um anschließend in der "IFA-Anamnese-Software Kniebelastungen" den UVT zur Verfügung zu stehen.

Ergebnisse:

Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Epidemie konnte während der Projektlaufzeit nur ein Teil der vorgesehenen Messungen durchgeführt werden. Für einige Berufe stehen dennoch ausreichend viele Messungen zur Erstellung von Tätigkeitsmodulen zur Verfügung: Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft (Erdbeerernte, Melken, Pflanzarbeiten, Holzernte von Nadelholz) in Werkstätten der Kfz-Mechatronik (Räderwechsel) sowie der Erzieherinnen und Erzieher in KiTas. Die aktuell vorliegenden Ergebnisse der vollständigen Tätigkeitsmodule werden in Form eines Updates des IFA-Reports "GonKatast - Ein Messwertkataster zu beruflichen Kniebelastungen" veröffentlicht und in das Kataster der IFA-Anamnese-Software aufgenommen. Nach wie vor besteht bei den UVT ein Bedarf an Katasterdaten zu den die Knie betreffenden Berufskrankheiten. In einem Folgeprojekt sollen weitere repräsentative Messungen durchgeführt werden, um neue Tätigkeitsmodule zu entwickeln und zu vervollständigen.

Stand:

25.01.2022

Projekt

Gefördert durch:
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV)
Projektdurchführung:
  • Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)
  • BG BAU - Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft
  • Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BGETEM)
  • Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW)
  • Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM)
  • Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
Branche(n):

-branchenübergreifend-

Gefährdungsart(en):

Arbeitsbedingte Erkrankungen, Mechanische Gefährdungen

Schlagworte:

Berufskrankheit, Gefährdungsbeurteilung, Messverfahren

Weitere Schlagworte zum Projekt:

Berufskrankheit (BK 21 12, 2102, 2105), Kniegelenkserkrankungen, Gonarthrose, kniebelastende Tätigkeiten (Hocken, Knien, Fersensitz, Kriechen), Messwertkataster, CUELA-Messsystem, berufsspezifische Belastungsprofile, Tätigkeitsmodule, OMEGA-Datenbank, Anamnese-Software, arbeitstechnische Anamnese in BK-Feststellungsverfahren, Expositionsermittlung

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