Krebsfrüherkennung

eine Labor-Mitarbeiterin begutachtet den Inhalt eines Reagenzglases

Bild: © Volker Wiciok, Lichtblick

Die Früherkennung von arbeitsbedingten Erkrankungen - und hierzu gehören auch die Krebserkrankungen - ist ein wichtiger Bestandteil der Sekundärprävention.

Berufsbedingte Krebserkrankungen sind eine der größten Herausforderungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge, insbesondere die nachgehende Vorsorge. Die heute trotz der enormen Verbesserungen im Arbeitsschutz weiterhin noch auftretenden Fälle sind meist eine Folge der langen Latenzzeiten der Erkrankungen. Expositionen gegenüber krebserregenden Schadstoffen liegen häufig Jahrzehnte zurück, fanden also zu einer Zeit statt, zu der über viele Gefahrstoffe noch keine ausreichenden Kenntnisse vorlagen.

Viele Krebserkrankungen sind nicht mehr in einem Frühstadium, wenn sie Symptome verursachen und diagnostiziert werden. Die Krebsfrüherkennung zielt daher darauf ab, eine Diagnose bereits so früh wie möglich zu stellen. Dann ist die Chance am größten, den Tumor erfolgreich zu behandeln.

Die heute verfügbaren klassischen Methoden für die Frühdiagnostik reichen oftmals nicht zu einem hinreichend frühen Nachweis von Krebsneubildungen aus. Zwar lassen die computertomographischen Untersuchungen (CT) der Lunge den häufigsten Berufskrebs, nämlich das Lungenkarzinom, schon bei geringer Größe erkennen, gleichwohl ist die CT-Untersuchung mit einer zusätzlichen Strahlenbelastungen verbunden, deren regelmäßiger Einsatz wohl bedacht sein muss und in jedem Einzelfall einer ärztlichen rechtfertigenden Indikation bedarf. Während CT-Untersuchungen im Rahmen des erweiterten Vorsorgeangebots der DGUV und der Unfallversicherungsträger bereits für die Früherkennung von Lungentumoren angeboten werden, gab es bisher für Mesotheliome noch kein Verfahren zur Früherkennung.

Es besteht jedoch berechtigte Hoffnung, dass durch aktuelle Fortschritte in der biomedizinischen Forschung demnächst neuartige Methoden für die Früherkennung zum Einsatz kommen werden. Hier bieten sich sog. molekulare Marker als eine Alternative und Ergänzung zu herkömmlichen Verfahren an. Bei den molekularen Markern handelt es sich um körpereigene Substanzen die vermehrt oder in veränderter Form von Tumoren produziert werden und dann z.B. in das Blut austreten. Sie können demnach aus Blutproben oder, je nach Ursprungsort des Tumors, aus Urin, Sputum u.a. Körperflüssigkeiten nicht-invasiv gewonnen und mit modernen molekularbiologischen Verfahren im Labor bestimmt werden. Somit stehen Methoden zur Verfügung, die mit einer für den Patienten möglichst geringen Belastung verbunden sind.

Während es z. B. für Blasen- und Lungenkrebs einige aussichtsreiche molekulare Marker gibt, müssen diese aber noch in größeren prospektiven, d.h. in die Zukunft gerichteten, Studien validiert werden. Damit soll sichergestellt werden, dass sie auch für den Einsatz unter Feldbedingungen geeignet und effektiv sind. Zurzeit laufen in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern im In- und Ausland unter Federführung des IPA - Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung - Institut der Ruhr-Universität Bochum verschiedene Studien, in denen mehrere Marker einzeln und in Kombination für die Früherkennung von Krebserkrankungen geprüft werden.

Für die Früherkennung von Mesotheliomen hingegen liegen jetzt bereits vielversprechende Ergebnisse aus einer der Studien des IPA vor. Im Rahmen der MoMar-Studie („Molekulare Marker zur Krebsfrüherkennung“) wurden zwei molekulare Marker zur Früherkennung von Mesotheliomen mit Proben aus einer prospektiven Kohorte von ehemals Asbestexponierten validiert. Dazu wurden rund 2.800 Versicherte mit einer anerkannten BK-Nr. 4103 über einen Zeitraum von zehn Jahren zu jährlichen Untersuchungen eingeladen, die u.a. mit einer Blutabnahme verbunden waren. Die über 12.500 Blutproben wurden in eine Biobank eingelagert und für die Bestimmung der Tumormarker Mesothelin und Calretinin verwendet. Im Verlauf der Studie traten über 40 Mesotheliome in der Kohorte auf, zu denen Blutproben vorlagen, die vor der klinischen Diagnose gewonnen wurden. So war es möglich, die Marker hinsichtlich ihrer Fähigkeit zu testen, ob sie Mesotheliome auch frühzeitiger detektieren können. Die Kombination der Marker Calretinin und Mesothelin war in der Lage, bis zu 15 Monate vor der klinischen Diagnose 44% der Mesotheliom-Fälle korrekt zu erkennen. Dabei lag der Anteil falsch-positiver Befunde bei nur 2%. Erstmalig erscheint nun eine Früherkennung von Mesotheliomen möglich.

Der Einsatz der Marker-Kombination von Calretinin und Mesothelin in der nachgehenden Vorsorge wurde für besondere Risikokollektive von den Gremien der DGUV befürwortet. Zunächst sollen die Marker nur der Gruppe der Versicherten mit einer anerkannten BK-Nr. 4103 angeboten werden, da die wissenschaftlichen Daten zeigen, dass in dieser Gruppe auf Grund des deutlichen erhöhten Risikos für die Entstehung eines Mesothelioms die Früherkennung mit Biomarkern möglich ist. Ob auch andere Asbestexponierte von dem Früherkennungsangebot profitieren können, wird derzeit in Zusammenarbeit mit der GVS und einzelnen Unfallversicherungsträgern ermittelt. Für Calretinin und Mesothelin liegen inzwischen die CE-Zertifizierungen vor. Eine praktische Umsetzung der beiden Mesotheliom-Marker in die nachgehende Vorsorge soll in 2020 vorbereitet werden.

Weitere Informationen:


Ansprechpersonen

Dr. rer. nat. Georg Johnen
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV -
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Kompetenz-Zentrum "Molekulare Medizin"
Telefon: +49 30 13001-4350

 Prof. Dr. Thomas Behrens
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV - 
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Telefon: +49 30 13001-4210