Molekulare Marker zur Krebsfrüherkennung - Follow-up (MoMarFollow)

Projektkürzel: IPA-144-MoMarFollow

Laufzeit: fortlaufend

Beteiligte Kompetenz-Zentren: Molekulare Medizin, Epidemiologie

Deskriptoren: Krebsfrüherkennung, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren, Gefahrstoffe, Asbest

Ziel

Bisherige Einzelprojekte zur Identifizierung, Verifizierung und Validierung von Biomarkern zur Früherkennung von Mesotheliomen (MoMar, MoMarFollow) und Lungenkrebs (LD-HRCT- Projekt-Biobank im Rahmen von EVA-Lunge) sollen in einem einzigen fortlaufenden Forschungs- und Dienstleistungsprojekt zusammengeführt werden, um die bereits zum Teil erreichte hohe Marker-Performance auf beiden Krebsentitäten weiter zu optimieren und diese für die arbeitsmedizinische Vorsorge einsetzbar zu machen. Weiterhin sollen Biomarker für eine mehr personalisierte Krebstherapie entwickelt werden.

Ausgangssituation

Die Zahlen berufsbedingter Krebserkrankungen der Pleura und der Lunge befinden sich trotz Asbestverbot weiterhin auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2023 wurden über 1.000 Fälle mit einer anerkannten BK 4105 und BK 4104 registriert. Infolge langer Latenzzeiten (30-50 Jahre) sowie Alterseffekten wird z.B. bei Mesotheliomen mit einer nur langsamen Abnahme der Erkrankungen gerechnet. Zudem ergab eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, dass Asbest in mehr Bauprodukten (Fliesenkleber, Putze, Spachtelmassen usw.) vorkommt, als bisher angenommen. Dadurch könnten durch Abriss-, Renovierungs- und Reparaturarbeiten auch weiterhin Asbestexpositionen stattfinden.

Da Tumoren oft in zu späten Stadien entdeckt werden, soll die nachgehende Vorsorge von exponierten Versicherten durch neue, nichtbelastende und preiswerte Untersuchungsmethoden verbessert werden. Hier bieten sich Biomarker an, die leicht in Blutproben bestimmt werden können. Eine Erkennung von Tumoren in frühen Stadien könnte Therapieerfolge deutlich verbessern. Durch die Umsetzung bisheriger MoMar-Ergebnisse in das erweiterte Vorsorgeangebot EVA-Mesothel (Pilotphase) wurde weltweit erstmals eine Mesotheliom-Früherkennung etabliert, die ab Ende 2025 bundesweit angeboten werden soll.

Studiendesign:

Optimierung der Biomarker-Perfomance im Bereich der Mesotheliom-Früherkennung:

  • Verbesserung der Marker-Performance durch Ermittlung und Berücksichtigung von möglichen Störfaktoren. durch Ermittlung und Berücksichtigung möglicher Störfaktoren.
  • Erhöhung der Sensitivität des jetzigen Mesotheliom-Markerpanels (Mesothelin und Calretinin) durch Kooperationen mit nationalen und internationalen Expertengruppen, die neuartige, hochempfindliche Hochdurchsatzverfahren in den Bereichen Proteomik (Proteinmarker), Transkriptomik (RNA-Marker) und Methylomik (DNA-Methylierungsmarker) entwickelt haben, um neue Marker direkt in Plasmaproben zu identifizieren.
  • Identifizierung möglicher weiterer Hochrisikokollektive, die von einer Früherkennung profitieren können.

Identifizierung und Validierung neuer Biomarker zur Lungenkrebs-Früherkennung:

  • Der Biomarker-Fokus lag bisher auf der Früherkennung von Mesotheliomen. Jetzt soll auch die Früherkennung von Lungentumoren verstärkt bearbeitet werden. Dabei werden prädiagnostische Proben von Lungentumorpatienten kurz vor der Diagnose mit Proben derselben Patienten Jahre vor der Diagnose (= Kontrollen) verglichen.
  1. Biomarker können eine mögliche, wertvolle Ergänzung zum LD-HRCT-Screening von Lungentumoren darstellen. Das Dienstleistungsprojekt LD-HRCT-Projekt-Biobank (Proben aus EVA-Lunge) ist nun Teil von MoMarFollow. Mit den Proben können in MoMar entdeckte Lungentumor-Früherkennungsmarker unabhängig validiert werden.

Weitere Aktivitäten

  • Langfristige Entwicklung von einfacheren Methoden zur Probenlogistik (z.B. Filterkarten mit getrockneten Blutproben) und die Entwicklung von Point-of-Care-Tests, um die Kosten zu senken, Teilnahmebereitschaften zu erhöhen und eine flächendeckendere Anwendung zu ermöglichen.
  • Entwicklung von begleitenden Biomarkertests zur Optimierung der Therapie von Mesotheliomen und Lungentumoren, u.a. ihrer Verwendung zur Differentialdiagnose, Prognose, Prädiktion und dem Therapieverlauf.

"In unserer MoMar-Studie haben wir erfolgreich einen Bluttest entwickelt, mit dem wir in ca. 50% der Fälle Mesotheliome frühzeitig entdecken können...", so Dr. Georg Johnen, Leiter des Kompetenz-Zentrums Molekulare Medizin

Koordination

Kontakt


Tel. +49 30 13001-4350

Weiterführende Informationen

Literatur

Projektseite Molekulare Marker zur Krebsfrüherkennung (MoMar)

New technology for the development of molecular markers (PDF, 1,8 MB, nicht barrierefrei)

Johnen G, Brüning T. Neue Technologie für die Entwicklung von molekularen Markern. IPA Journal 2022; 03: 26-28 (PDF, 405 kB, barrierefrei)

Weber DG, Casjens S, Brik A, Raiko I, Lehnert M, Taeger D, Gleichenhagen J, Kollmeier J, Bauer TT, Brüning T, Johnen G. Circulating long non-coding RNA GAS5 (growth arrest-specific transcript 5) as a complement marker for the detection of malignant mesothelioma using liquid biopsies. Biomark Res. 2020 ;8:15. DOI: 10.1186/s40364-020-00194-4

IPA-Journal 01/2020: Biomarker der MoMar-Studie zugelassen (PDF, 266 kB, barrierefrei)

Presseerklärung "Früherkennung von Mesotheliomen nun erstmals möglich"

IPA-Journal 03/2018: "Früherkennung von Mesotheliomen mit Biomarkern erstmals möglich" (PDF, 414 kB, nicht barrierefrei)

Johnen G, Burek K, Raiko I, Wichert K, Pesch B, Weber DG, Lehnert M, Casjens S, Hagemeyer O, Taeger D, Brüning T & MoMar Stduy Group. Prediagnostic detection of mesothelioma by circulating calretinin and mesothelin – a case-control comparison nested into a prospective cohort of asbestos-exposed workers. Sci Rep. 2018 Sep 25; 8:14321. doi: 10.1038/s41598-018-32315-3

Johnen G, Burek K, Raiko I, Wichert K, Pesch B, Weber DG, Lehnert M, Casjens S, Hagemeyer O, Taeger D, Brüning T. Prediagnostic detection of mesothelioma by circulating calretinin and mesothelin - a case-control comparison nested into a prospective cohort of asbestos-exposed workers. Scientific Rep 2018; 1: 14321

Johnen G, Gawrych K, Raiko I, Casjens S, Pesch B, Weber DG, Taeger D, Lehnert M, Kollmeier J, Bauer T, Musk AW, Robinson BWS, Brüning T, Creaney J, Performance of calretinin as a blood-based biomarker for mesothelioma, BMC Canc 17: 386 (2017)

Raiko I, Rihs HP, Gleichenhagen J, Sander I, Kollmeier J, Lehnert M, Brüning T, Johnen G, A recombinant polypeptide of the megakaryocyte potentiating factor is a potential biomarker in plasma for the detection of mesothelioma, BBRC 486: 526-532 (2017)

Weber DG, Gawrych K, Casjens S, Brik A, Lehnert M, Taeger D, Pesch B, Kollmeier J, Bauer TT, Johnen G, Brüning T, Circulating miR-132-3p as a candidate diagnostic biomarker for malignant mesothelioma, Disease Markers 2017: 9280170 (2017)

IPA-Journal 01/2017: "Biomarker Calretinin für die Diagnose von Mesotheliomen" (PDF, 277 kB, nicht barrierefrei)

IPA-Journal 02/2016: "Molekulare Marker für die Krebsfrüherkennung: Zwischenstand der MoMar-Studie" (PDF, 344 kB, nicht barrierefrei)

IPA-Journal 03/2013: "Asbest wird uns noch lange begleiten" (PDF, 206 kB, nicht barrierefrei)